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Anje Heinz

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Seelenliebe Blog # 7 Memento-Tag endlich Leben

Seelenliebe Blog # 7 Memento-Tag endlich Leben

Memento-Tag 8.8.2021

Ein Aktionstag, der uns daran erinnert,

end-lich zu leben

 

Leipzig. 8.8.2021. Sonntagmittag. Ein laues Lüftchen geht. Menschen schlendern gut gelaunt durch die Straßen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Eigentlich. Denn schon biegt ein grüner Sarg um’s Eck. Eine charmante junge Frau, in Begleitung eines netten jungen Mannes, schiebt die (für die Fußgängerzone) ungewöhnliche Holzkiste.

Wenn man ihnen folgt, um zu schauen, was wohl damit passiert, wird man auf den Augustusplatz geleitet. Hier warten Bestatter, ein Pflegebett lädt fast zum geruhsamen Mittagsschläfchen ein, ein Steinmetz, der Grabsteine mit einer Leidenschaft erklärt. Und noch einiges mehr an Trubel herrscht hier.

Eine junge, zauberhafte Frau kommt freundlich  schmunzelnd auf mich zu. Natürlich mit einer Urne auf dem Arm, einem Lachen im Gesicht und den Worten: „Heute ist Memento-Tag, haben Sie Lust, etwas zu gewinnen?“

Stopp! So natürlich ist das nicht mit der Urne und so…..

Und gewinnen? Was kann man hier wohl gewinnen? Einmal im Sarg Probeliegen? Oder mit dem Leichenwagen ne Spritztour durch die City düsen?

Etwas skurril fühle ich mich. Trete für einen winzigen Augenblick zurück und merke, wie mein Herz’l sich verkrampft und ich körperlich etwas Abstand brauche. Nicht nur körperlich. NEIN. Warum soll ich an einem Sonntag, im schönsten Mittagssonnenschein über den Tod reden!? Warum soll ich überlegen, ob ich lieber verbrannt oder im Sarg beerdigt werden möchte? Warum soll ich mir Gedanken machen, was in meinem Lebenskoffer wohl alles drin ist? Wer den Koffer dann auspackt und was er wohl vorfindet?

Warum soll ich, die eigentlich nur ne Relax-Runde drehen will, nachdenken? Jetzt.

Ich bin gesund. Ich bin jung. Ich habe weiß Gott nicht vor, mein schönes Leben in den nächsten Tagen zu beenden!!!!!

Die reizvoll sympathische junge „Urnen-Lady“ erklärt mir heiter: Heute ist Memento-Tag. „Memento … was?“, frage ich.

„Heute ist der 8.8. – Memento-Tag. Ein Aktionstag, der deutschlandweit nunmehr zum dritten Mal zu Aktionen aufruft, die uns daran erinnern wollen, dass unser Leben ENDLICH ist. Dass wir nur eins haben und dass wir dieses bewusst erleben sollen.“ OK? Aber brauche ich dazu einen bestimmten Tag?

„Naja, es gibt schon verrückte Feiertage: Allein im August werden noch zelebriert: Linkshändertag, Tag der schwarzen Katze, Tag der schlechten Poesie, Sei-ein-Engel-Tag oder Tag der seltsamen Musik. Ja, tatsächlich – etwas seltsam kommt mir das hier auch vor.

Doch plötzlich finde ich den Gedanken ganz gut: Mal nachdenken über das Leben, die Liebe und den Tod. Das tun wir vermutlich viel zu selten. Wahrscheinlich rennen wir durch das Leben. Ohne nach links und rechts zu schauen. Wir freuen uns montags auf freitags, morgens auf abends, nach dem Urlaub auf den nächsten. Wir hetzen zwischen Arbeit, Einkauf, Musikschule und anderen Chaffeurdiensten für die Kids durch die Stunden des Tages, sinken abends mit der Knabbertüte in der einen Hand, dem Weinchen in der anderen vor der Netflix-Serie auf dem Kuschelsofa nieder – in der Hoffnung, den Tag wortlos ausklingen zu lassen. Schleichen nach dem ersten Sofaschläfchen ins Bett und hoffen, die Nacht möge nicht so schnell enden.

Am Morgen kommt dann die ernüchternde Einsicht, dass der Wecker nicht der beste Freund ist und dasselbe Spiel von gestern, ganz im Sinne „und täglich grüßt das Murmeltier“, wieder von statten geht.

Buhm, Bähm – so zieht das Leben seine Bahnen. Und Zack – ist es vorbei. JA, tatsächlich sollten wir uns Zeit nehmen, zum Innehalten.

Vielleicht finde ich es auf einmal auch gar nicht mehr so skurril, was hier abgeht.

 

Bevor ich mich auf den Treppen des berühmten Mendebrunnens vor dem Gewandhaus niedergelassen habe, um das bunte, illustre Treiben zu beobachten, erklärte mir eine andere wundervolle charmante Frau, was es alles hier und heute mit dem Memento-Tag auf sich hat:

„Der Memento- Tag soll die Themen Sterben, Tod und Vergänglichkeit wieder mehr ins gesellschaftliche Bewusstsein holen und Menschen ermutigen, mit uns in Kontakt zu treten. Wir wollen die Themen Leben, Tod, Endlichkeit und Vergänglichkeit wieder mehr in das gesellschaftliche Bewusstsein rücken.

Wir möchten Menschen ermutigen, sich mit diesen essenziellen Themen zu beschäftigen.

Unsere Aktionen sollen die Menschen auffordern, diesem großen Bestandteil unseres Lebens, dem Tod und der Vergänglichkeit wieder mehr Raum und Zeit zu schenken.

Der 8. August ist ein Tag, der uns wieder bewusst daran erinnert, bewusst zu leben.

8.8. steht übrigens für das Zeichen der Unendlichkeit: ∞

Reden wir darüber, verlieren wir die Angst vor dem Thema. Schrecken wir nicht zurück. Verdrehen wir nicht die Augen. Öffnen wir sie. Lassen wir den Tod ins Leben und das Leben in den Tod.

Gehen wir die Trauer vielleicht auch ein Stück zusammen.

Der Memento-Tag ist ein Tag, der uns aufeinander zugehen lässt, der uns mit seinen Aktionen ins Gespräch bringt, der uns anregt, über das Leben, die Liebe und den Tod zu sprechen.

Es ist in unserer Gesellschaft überaus unpopulär, sich mit den Themen Sterben und Tod auseinander zu setzen. Wir reden zu wenig oder auch gar nicht über unsere Wünsche, Ängste und Sorgen in Hinblick auf das Lebensende.

Wir reden zu wenig über das Leben, die Liebe und uns.

Wann haben Sie das letzte Mal einem geliebten Menschen gesagt, was Sie für ihn empfinden und wofür Sie ihm dankbar sind?

Es ist wahrlich nicht selten, dass wir Worte der Dankbarkeit und Liebe erst aussprechen, wenn der andere Mensch es nicht mehr hört, weil wir uns erst in Vorbereitung seiner Trauerfeier damit beschäftigen: Mit ihm, dem Menschen, seinem Tod und den guten Erinnerungen, die uns durch das ganze Leben getragen haben.

„Trauern ist Liebe“ – das ist noch nicht angekommen. Man schweigt, redet nicht darüber und lässt einfach geschehen. „Die werden mich schon irgendwie unter die Erde bringen“ NEIN, nicht irgendwie. Sie sind doch nicht irgendwer!

Wir feiern das ganze Leben: Die Geburt, die Taufe, den Schulanfang, den Schulabschluss, die Hochzeit, runde Geburtstage, Silber- und Goldene Hochzeit. Und der Tod? Darüber verschwenden wir keinen Gedanken. Obwohl er uns doch beschäftigt. Wie Mascha Kaléko mal schrieb: Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang, nur vor dem Tode derer, die mir nah sind… Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben. …. Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der andern muss man leben.

Ja und dafür wissen wir ziemlich wenig darüber, was die anderen Menschen wollen. Welche Bestattungsform? Friedhof oder Friedwald? Sarg oder Tree of Life? Welche Musik sollen wir spielen zum letzten Fest? Welche Worte möchtest du hören? Was hast du geliebt? Wie warst du? Welche schönen Momente waren am wertvollsten? Was hast du hinterlassen? Wem bist du dankbar? Worüber konntest du lächeln? Wofür sind wir dir dankbar? Was ist dein Vermächtnis? Was bleibt von dir? Fragen. Fragen. Fragen.

Und dabei ist es meist völlig egal, ob jemand plötzlich aus dem Leben geht oder ob es ein monatelanger Abschied aufgrund einer nicht heilbaren Krankheit ist. Über den Tod redet man einfach nicht. Basta!

Themen wie Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht befinden sich meist außerhalb des alltäglichen Focus. Die meisten von uns beschäftigen sich erst damit, wenn sie mit der eigenen Endlichkeit oder der geliebter Menschen konfrontiert werden und irgendwie damit zurechtkommen müssen. Dann ist es meist zu spät und Überforderung macht sich breit.

Der Tod betrifft uns früher oder später alle, denn er ist Teil des Lebens.

Mit dem Memento Tag möchten wir diese Tatsache allen wenigstens einmal im Jahr ins Bewusstsein rufen, indem wir für die Themen rund um den Tod Raum schaffen.

Wir hoffen darauf, dass durch Veranstaltungen, Gedenkfeiern, etc. bei vielen die Hemmschwellen gegenüber diesen Themen sinken und es von Jahr zu Jahr immer selbstverständlicher wird, sich mit ihnen zu beschäftigen.

Der Memento Tag möchte dazu animieren, end-lich bewusst zu leben und dieses Leben sinnvoll zu nutzen und Dinge, die einem wirklich am Herzen liegen, nicht auf später zu verschieben.

 

Das Sterben und der Tod tragen Geheimnisse in sich, die keiner von uns zur Gänze beantworten, oder gar lüften kann. Ganz gleich, welche persönlichen Antworten wir auf die Frage, wie es nach dem Leben weitergeht, evtl. gefunden haben – diese eine Frage bleibt offen.

Mit dem Memento Tag am 8. August möchten wir dazu aufrufen, all die anderen Fragen rund um den Tod und das Sterben zu klären  – denn da gibt es Antworten.“

 

 

Ich lausche also den engagierten Worten der Frau, die für ihren Job zu brennen scheint. Lasse mich auf den Treppen nieder, lehne mich in den wärmenden Sonnenstrahlen, die mich wie Arme halten, zurück. Ich schließe die Augen und gehe in mich.

Was für ein Tag! Er nahm bei weitem nicht den Lauf, den ich erwartete. O.K. Habe ich überhaupt etwas erwartet? Eigentlich ja nicht. Schade! Und auf einmal wird mir bewusst, dass Bewusstsein gar nicht so übel ist. Dass ich es gerade genieße, so achtsam den Moment zu genießen. Wer weiß denn schon, was morgen ist? Oje, ich höre mich schon wie meine Oma an. Die musste es ja wissen. Ich erinnere mich. Als sie nämlich starb, wurde mir klar, dass ich eigentlich nichts über sie weiß. Nichts aus ihrer Kindheit und Jugend. Nichts von dem, was sie liebte oder nicht mochte. Nichts von dem, was sie fühlte, wofür sie dem Leben dankbar war. Nichts von dem, was nach ihrem irdischen Tod passierte. Nichts ist ziemlich wenig.

Auf einmal überkam mich ein Gefühl der Wut oder Traurigkeit – ich weiß es nicht. Doch ist es nicht furchtbar, dass wir eigentlich nicht viel wissen – nicht von anderen und nicht von uns. Weil wir eben hasten und hetzen und nicht bewusst und end-lich leben.

 

Ich schaue also in die Runde über den Vorplatz des Gewandhauses und beobachte Menschen, die voller Leidenschaft für ihren Job und ihre Berufung brennen:

 

▶️ Steinmetz Winzer – er ist mit Schaustücken vor Ort, hat einen detailgetreuen Lego-Friedhof dabei und berät voller Inbrunst über den letzten Stein.

▶️ Hospizium Stiftung Advena Leipzig – Infostand mit Pflegebett.

Anke Wick, Koordinatorin Ambulanter Hospizdienst, ist mit einem wundervollen Team vor Ort.

Man bekommt fast Lust, sich in der Mittagssonne niederzulassen in dem gemütlichen Bett, welches liebevoll dekoriert ist mit verträumter  Blümchenbettwäsche, Teddy, Federn, Steinen und Muscheln. Ein halbes Dutzend Frauen, die zum Großteil ehrenamtlich palliative Höchstleistung erbringen. „Before I die….“ Was will ich noch tun oder erleben vor dem Tod? Mit einer wunderbaren Aktion laden sie zum Nachdenken ein. Ich lese: „Ich möchte nochmal ans Meer und die Wellen inhalieren“, „Ein kühles Bier trinken und Schnitzel essen“, „Ich möchte meiner Mama ein letztes mal DANKE sagen und ich habe dich lieb und dass ich ein schönes Leben hatte“, „Einmal nach Japan und Australien“, „Bei manchen mich entschuldigen“,…… Nun frage ich mich, was ich eigentlich noch will, bevor ich sterbe………..

 

▶️ Anje Heinz – Trauerrednerin: Seelenberührt_Abschiede: Sie lädt ein, über das letzte Fest nachzudenken. Warum nicht in schön, wenn schon überhaupt! Rituale und besondere Dekoration bei der Trauerfeier, die sie übrigens Lebensfeier nennt. (Wir feiern ja das Leben, den Menschen mit all den wundervollen Momenten und der Liebe). Und was hat es mit dem alten Koffer hier zu tun? Das soll der Lebenskoffer sein, erklärt sie: „Wenn wir uns vorstellen, jeder trägt einen unsichtbaren Koffer ein Leben lang mit sich herum: Was wäre in Deinem? Wer würde ihn auspacken? Was vom Leben würde darin bleiben? Ist der Inhalt für alle unnütz?“ Ach ja und Postkarten kann ich bei ihr auch noch schreiben. Denn der Liebespostbriefkasten wartet geduldig darauf, fleißig gefüllt zu werden. Ich schreibe also meiner Freundin eine Memento-Tag-Postkarte. Ich schreibe darauf, was ihr wahrscheinlich so noch nie gesagt habe: Dass sie nämlich für mich Inspiration pur ist und ich sehr dankbar bin, dass ich sie als meine Freundin habe. (Verrückt, was man alles so macht, wenn man mal liebevoll angestupst wird und wie man über seine Schatten springt.)

So als kleines Zwischenfazit, liebe ich den Tag schon etwas mehr. War alles nicht geplant, doch der Gedanke, dass ich den Sonntag mal bewusst erlebe, gefällt mir.

Ich ziehe einige Meter nach links weiter und stolpere über ……

▶️ Maria Förster/ Institut Sven Krieger – Infostand und Losurne. Viele tolle Gewinne warten in der Losurne von  TrauerArbeit Maria Förster. Bücher, USB-Sticks, Geschichten, Freitickets für die Endlichkeitsdialoge, (ihr Herzensprojekt), Kugelschreiber, Steinerne Eulen und Teelichthalter aus Naturstein …. Ach, alles Dinge, die man nicht erwartet, dass man sie gewinnt, wenn man einfach durch die City schlendern will. Und doch freut man sich, wie ein Kind, wenn man ein „Ich-bin-ein-Gewinner-Los“ zieht.

Maria erzählt engagiert: „Es gibt viele Formen von Abschied. Und jeder von Ihnen will gelebt werden.

Der Verlust der Heimat, der Lebensaufgabe, nach einer Trennung oder Scheidung, oder eben auch der Verlust eines geliebten Menschen oder  des geliebten Tieres. So unterschiedlich die Verluste auch sind, haben sie jedoch eines gemeinsam: Verluste wollen gelebt werden! Eben dafür braucht es manchmal einen sicheren und starken Begleiter.“ Dass Maria so ein starker Begleiter ist, wird im Gespräch ganz schnell klar.

Übrigens: während ich so stehe und mir alles erklären lasse, stoppen zwei lebensfrohe junge Damen an ihrem Stand, mit Ukulele und Geburtstagslied bewaffnet – sie trällern Maria ein herrliches Geburtstagsständchen. Mal ehrlich: Ich staune über so viel Lebenslust bei so einem befremdlichen Thema.

Und schon zieht sie mich in den Bann: Die charmante „Sargfrau“:

▶️ Lisa Sanladerer von Endlichkeitsdialoge. Da ist er wieder. Der grüne Sarg, den ich vor ein paar Stunden schon in der City gesehen habe. Und mal ehrlich: Ich wage es, dieser skurrilen Einladung zu folgen, nehme Platz im Sarg. Mulmig ist mir schon in der Magengrube. Aber hey – es ist ziemlich weich und sehr bequem. Mit weißem, seidenem Stoff ist er ausgekleidet und ein gemütliches Kissen lässt meinen Kopf weich sinken. Es hat auf einmal nichts von komischem Gehabe. Ziemlich normal hier. Dass ich das Foto an meine Liebsten verschicke – darauf verzichte ich jedoch dankend. Was sollen die anderen schließlich denken.

Nachdem ich mich da wieder mit meinen langen Beinen rausbastelt habe, zieht mich ein, im schwarzen Anzug gekleideter, lächelnder junger Mann zur Seite:

▶️ Bestattungshaus Päschel – Infostand mit ostalgischem Bestattungswagen-Barkas und Bestattungstechnik. Ja, es ist schon spannend, wie sich alles im Laufe der Jahre verändert hat. Die jungen Männer geben mir Antworten auf meine vielen Fragen, die mir plötzlich in den Kopf schießen. Es stellen sich ja mittlerweile weit mehr Fragen, als nur die, wo ich mal begraben werden möchte. Kann ich das eigentlich jetzt schon festlegen? Oder sogar bezahlen? Ach herrjeh, so viele Infos. Nur zum bisschen Tod.  Und dass der letzte Weg in guten Händen sein kann, beweist das Bestattungshaus. Denn sie sehen ihre Aufgabe darin, die Angehörigen bei einem Trauerfall in liebevoller Weise zu begleiten.

Ein bewusster Abschied, das wissen sie aus Erfahrung, kann dazu beitragen, dass der Schmerz nicht uferlos wird. Ethik ist für sie kein Modebegriff. Die Würde des Menschen ist das oberstes Gebot für den Bestatter mit seinem Team. Und das spürt man.

 

Ich schaue zur Seite und entdecke bunte Basteileien bei der:

▶️ Familienberatungsstelle des Veid e.V. – kreative Tools für die ganze Familie / BV Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e.V. – VEID. Kathrin Schreier, Geschäftsführungsnachfolge und Katrin Regner, Leiterin der Familienberatungsstelle haben mit ihrem wundervollen Team umtriebig die Stunden heute damit verbracht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, mit Kindern zu basteln und das Ansinnen des Bundesverbandes ins rechte Licht zu rücken.

Sie bieten ein Netzwerk von Hilfen und Begleitung für Familien an, die ein Kind verloren haben und so zu trauernden Eltern werden und sind Ansprechpartner für alle, die Familien nach dem Tod eines Kindes begleiten. Eine so wichtige Arbeit, die sie leisten.

Dankbar für das intensive Gespräch schlendere ich weiter zum nächsten Pavillon, der dekoriert ist mit einem aufwendig und liebevoll dekorierten Fotoband.

▶️ Lebensnah Bestattungen – Infostand, Bestattungswagen und Schaudekoration individuelle Bestattung.

Dass nämlich Bestattung auch anders als klassisch geht, beweist der junge Bestatter mit seiner reizenden Assistentin.

Sie wollen das Thema Nachhaltigkeit eigentlich gar nicht groß unterstreichen, denn nachhaltiges und ökologisches Arbeiten und die damit einhergehende Verantwortung sind normal bei ihnen. Denn Lebensnah Bestattungen setzen bei allen Schritten ihrer Arbeit auf verantwortungsbewusstes Handeln.

Autor ist er übrigens auch, der Bestatter. Sein Buch „The End“ hat Eric Wrede vor wenigen Jahren geschrieben. Denn er will etwas ändern an der gängigen Trauerkultur. Die Süddeutsche Zeitung schreibt über ihn: „Wenn man einen Tag mit Eric Wrede verbringt (…), verliert der Tod einiges an Schrecken.“ Na dann, scheint er wohl hier richtig zu sein, auf dem Memento-Tag Leipzig. „Er steht für einen völlig neuen Umgang mit Tod und Trauer“ zitiert Die Welt……. Und der Stern schwärmt: „Wrede will (…) eine Alternative bieten zum konventionellen Betrieb, in dem Verstorbene oft nur schnell wegorganisiert werden.“

 

Dass alle Dienstleister hier und heute damit nichts zu tun haben wollen, mit einfach „wegorganisieren“, das spürt man!!!!!

An seinem Stand mit vertreten:

▶️ Kohleurne – ökologische Urnen aus Kohle von  SchupplerSchwarz.

Es stehen eben nicht mehr nur rote und schwarze stählerne Urnen zur Auswahl. Wie schön. Nachhaltige Alternativen erleichtern die Entscheidung. Kohle z.B.  – es geht eben auch in schön und individuell.

 

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So, der Sonntag neigt sich langsam dem Ende und erstrahlt noch einmal in herrlichster Abendsonne. Versöhnlich zeigt sich der Tag, mit all seinen Überraschungen.

Eins haben sie wohl alle hier gemeinsam: Sie lieben ihren Job, der wohl mehr Berufung als Beruf ist, sie lieben das Leben, reden über den Tod und es fühlt sich gut an, mit ihnen über das Thema zu sinnieren. Nicht traurig. Nicht verbittert. Sondern klar und lebenshrungrig.

Und irgendwie klingt es auch alles ziemlich plausibel, was sie erzählen.

 

Nun? Mein Sonntagsfazit? Warum ist nicht jeder Tag Memento-Tag? Warum denken wir nicht jeden Tag etwas bewusster? Warum leben wir nicht end-lich? Warum reden wir nicht über alles, was uns bewegt: Über das Leben, die Liebe und den Tod? Warum reden wir nicht über unsere Ängste? Warum verlieren wir uns im Alltag? Warum gehen wir nicht achtsamer mit uns und den Menschen um?

Eines habe ich gelernt: Unverhofft kommt oft. Eine Papiertasche voller Gewinne und Stunden später, nippe ich an meinem Sonntag-Abend-Weinchen, nun zurück auf meinem Balkon. Ich verliere mich in Gedanken und nehme mir vor, mehr zu leben, ja end-lich zu leben!

Wir haben doch nur eins. Keine zweite Chance und wenn wir das eine so leben, wie es uns gefällt, reicht das eigentlich vollkommen aus.

Danke Memento-Tag. Danke Leipzig. Danke an alle Engagierten. Ihr habt meinen Tag erhellt und ihn ein bisschen reicher und bunter gemacht. Nicht nur mit dem Teelichthalter, sondern mit den wundervollen Gesprächen. Ja, Menschen und Momente sind es, die unser Leben reich machen.

 

Leben wir end-lich. Jeden Tag.

P.S. Ich danke dem Tod für seine Botschaften. Er macht mich lebendiger als jemals zuvor. Lässt mich intensiver lieben und leben. Und ja, ich fürchte ihn dennoch. Und ja, ich wäre unsagbar traurig, wenn er mich oder einen geliebten Menschen jetzt trifft. Noch tippt er mir ab und zu auf die Schulter und sagt mir: Hey, Girl. Lebe, Liebe, Lache. Du hast nur ein Leben!!! Und so halte ich es. Passt auf euch.
Luftküsse…..

 

Geschrieben von:

Anni, die das Leben liebt und weiß, dass es endlich ist und sie daher Momente aufsaugt, die ihr Leben bunt machen. Anni, die versucht, die Tage achtsam zu begrüßen und sie mit einem Herz voller Liebe und Dankbarkeit verabschiedet.

Danke auch an Iris Willecke, Teamsprecherin Memento Tag (www.mementotag.de), die den Memento-Tag in Deutschland vor drei Jahren ins Leben gerufen hat und schon so vielen Menschen dadurch wundervolle Momente beschert hat.

 

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https://www.trauerarbeit-maria-foerster.de/

https://www.endlichkeitsdialoge.de/

https://www.hospizium-leipzig.de/

https://www.bestattung-leipzig.de/

https://www.winzergrabmale.de/

https://www.lebensnah-bestattungen.de/

https://www.veid.de

 

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